Lifestyle versus Philosophie – oder wie die IUEWT alte Weltanschauungen aus der Kampfkunst in ein neues Leben gerufen hat

Zum Begriff der Philosophie aus Wikipedia: [In der Philosophie (griechisch φιλοσοφία philosophía, latinisiert philosophia, wörtlich „Liebe zur Weisheit“) wird versucht, die Welt und die menschliche Existenz zu deuten und zu verstehen. Von anderen Wissenschaften unterscheidet sie sich dadurch, dass sie sich nicht auf ein spezielles Gebiet oder eine bestimmte Methodologie begrenzt, sondern durch die Art ihrer Fragestellungen und ihre besondere Herangehensweise an ihre vielfältigen Gegenstandsbereiche charakterisiert ist.
Heutzutage wird der Begriff der Philosophie gerne dazu benutzt, um gewisse Weltanschauungen nicht nur darzustellen, sondern auch dadurch gewisse (auch ideologische) Inhalte zu vermitteln bzw. zu verbreiten, sodass möglichst viele Menschen die gleiche Philosophie verfolgen und leben (die negativen Auswirkungen wie Machtkontrolle, etc. sind hier kein Thema!). Generell spielt sich Philosophie nur im geistigen/mentalen Bereich des Menschen ab.
In den klassischen Kampfkünsten aus Asien spielt der Begriff der Philosophie seit jeher eine große Rolle. Die bekanntesten Philosophien aus diesem Bereich sind Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus. Die ursprüngliche Aufgabe der Philosophie ist es hier, handwerkliche oder technische Umsetzungen in ein übergeordnetes großes Gedankenkonzept einzubinden, dem alles folgt (analog zur obigen Erklärung aus Wikipedia: die Philosophie der Kampfkunst soll das Phänomen des Zweikampfs deuten und verstehen machen und daraus grundsätzliche Lebensweisheiten ableiten).
Gerade in althergebrachten und traditionellen Kampfkünsten wird die Philosophie von vornherein dem Anfänger als Leitfaden mit auf den Weg gegeben, nachdem er sich richten soll. In der körperlichen Ebene beginnt man durch Techniken, Übungen, etc., die durch diese Philosophie geprägt sind. Mit zunehmendem Fortschritt soll eine umfassende geistige Klarheit erlangt werden, die dann in der jeweiligen Philosophie aufgeht, mit der eine Kampfkunst in der Vergangenheit verbunden wurde. Diese soll dann auch in andere Bereiche des Lebens übersetzt werden.
Der Taoismus zum Beispiel hat als Grundlage die Balancefindung zwischen den Energien/Kräften (Yin/Yang). Wenn diese Philosophie von vornherein ab dem ersten Lernstadium mitschwingt, dann wird dies in der täglichen Umsetzung der Kampfkunst so weit getrieben, dass man schon auf die geringste Wahrnehmung einer Krafteinwirkung irgendwie versucht nachzugeben, um sich nicht mit der Kraft auseinandersetzen zu müssen, bzw. um auch immer der Philosophie gerecht zu bleiben. Man versucht dies nach außen hin auch sichtbar erkennen zu lassen, damit auch das Trainingsumfeld dies so visuell werten kann. Übertreibungen sind dabei keine Seltenheit!
Dadurch wird aber leider dem faktischen keine Rechnung mehr getragen – wenn schon bei der geringsten Krafteinwirkung absolut nachgegeben wird, so hat man sich keinerlei Gedanken gemacht, wie viel und wie angepasst man nachgeben muss! Und man hat auch keinerlei Möglichkeit nachzuvollziehen, was es ausmacht, einwirkenden Kräften seine eigenen inneren Kräfte soweit optimal entgegenzustellen, dass man nur noch dem Kraftüberschuss der einwirkenden Kraft nach dem Aufprall nachgeben muss – und nicht der gesamten einwirkenden Kraft!
Um dies richtig zu gestalten, muss man sich mit der wirklichen Struktur von Energien und Kräften auseinandersetzen – was in der täglichen Arbeit alles andere als philosophisch anmutet. Diese Auseinandersetzung ist eher verbunden mit langer und harter Arbeit an sich selbst (sprichwörtliche Übersetzung des Begriffes Kung Fu), um daraus Gesetzmäßigkeiten für sich selber abzuleiten, die dann zu einer Philosophie werden, die aber auf Grundlage von faktischer Arbeit mit dem Körper basiert. Wenn also Philosophie das Hauptaugenmerk in der Kampfkunstarbeit ist, und der Anfänger durch die Ablenkung dessen nicht mehr fokussiert an sich arbeiten kann, so kann er keine handwerklichen Grundlagen bilden, die später die Grundlagenmodule einer Philosophie darstellt.
Und genau hier hat die IUEWT ihr Alleinstellungsmerkmal, die weit über den Begriff der Philosophie hinausgeht: den Lifestyle der Logik! Die Logik ist die Grundlage der philosophischen Ansicht innerhalb der Kampfkünste in der IUEWT als aber auch die faktische Grundlage für die körperliche Arbeit, die dann wiederum die Philosophie ausmacht. Dadurch, dass man die körperliche Arbeit tagtäglich (oder zumindest kontinuierlich) nach logisch ausgerichteten Gesichtspunkten strukturiert, wird das gesamte Konzept zu einem Lifestyle.
Lifestyle ist etwas, was täglich ausgeführt und gelebt wird (Schlüsselwort - > Best Practice)! Die Kampfkünste Wing Tsun und Escrima in der IUEWT basieren auf logischen Grundlagen und Fakten von Physik, Physiologie, etc. und werden durch die tägliche Arbeit zu einer Philosophie im mentalen Bereich. Beide Ebenen – die körperliche und die mentale – verschmelzen und werden als Lifestyle gelebt. Und das von Beginn an.

Dies bedeutet, dass im völligen Gegensatz zum althergebrachten Ansatz der traditionellen Kampfkünste/ Kampfsportarten, wo die Philosophie von vorneherein die Marschrichtung beim Lernen vorgab und vorgibt und nicht unbedingt im Einklang mit dem Faktischen stand, die IUEWT diesen Ansatz aufgrund der Logik um 180 Grad umgedreht hat. Die Fakten bilden die Grundlage, um daraus eine Philosophie zu entwickeln, die dann als Lifestyle gelebt und auch später in andere Bereiche des Lebens übertragen werden kann – weil viele Analogien aus dem normalen Leben abseits der Kampfkunst bereits in der Entwicklungsphase als Lernwerkzeuge dienen.

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