Erlebnisbericht Jim Wagner „Knife Trainer“ Kurs in Solingen

von Thomas Krug (Bochum)

Jim Wagner, seines Zeichens Reservist bei den U.S. Steitkräften und ehemaliges S.W.A.T Mitglied und Skymarshall begann vor etwa 10 Jahren sein eigenes Selbstverteidigungssystem zu unterrichten. Er bietet sowohl Kurse für Zivilisten als auch für Behördenangehörige.

Er bildet Trainer in unterschiedlichen Disziplinen in vielen Ländern der Welt aus und überprüft selbst in Prüfungen deren Fortschritt.

Ich nahm als „volunteer“ an einem Prüfungsseminar für „Knife-Trainer“ teil. Hier sollten mehrere Absolventen eines mehrtägigen Kurses ihr erlerntes Wissen und die Vermittlung des selbigen an systemfremde Personen unter Beweis stellen. über einen persönlichen Kontakt wurde ich gebeten teilzunehmen.

Als Einführung gab es für die mich und die anderen Helfer eine kurze Einführung auf Fehler der Prüflinge zu achten um diese in einem Postbriefing zu erörtern. Jeder Teilnehmer erhielt eine Schutzausrüstung die mich ein hartes Seminar erwarten ließ. Helm, Brille, Ellbogen- und Knieschoner sowie ein Trainingsmesser. Die Kursstärke war angenehm klein. In meiner Gruppe waren 3 „Opfer“ und 2 Trainer-Anwärter. Nach einer kurzen Einführung über den Kursinhalt ging es dann auch zügig zur Sache.

Eine gestellte Situation in der ein überraschender Angriff mit einem Messer intuitiv abzuwehren war. Keine vorgegebenen Abwehrbewegungen oder ähnliches. Eine kurze Abwehraktion und anschließende Flucht. Auf meine Zwischenfrage der Reaktionszeit Ausspähen eines möglichen Fluchtweges kam die „Krav Maga“- Antwort: „wir haben ständig die Umgebung im Blick...“ Ich wollte aber nicht schon direkt querschießen und nahm mich mit meinen Fragen sehr zurück. Es ging ja auch nicht um mich sondern um die Prüflinge. Ich war nur Teilnehmer und Zuschauer in Einem.

Nach jeder Übung ein kurzes Besprechen des Erlebten. „schwierig ist´s!“ war der Tenor. Und ich möchte anmerken das es nur Trainingsmesser aus Gummi waren und nicht Schreckreaktion auslösende echte Messer waren.

Daraus resultierend gab es Systemtypisches. Die möglichen Angriffswinkel die der Mensch aufgrund seiner Anatomie mit einem Messer ausführen kann.Diese wurden dann in Partnerübungen durchgespielt.

Die angehenden Trainer korrigierten während der gesamten Zeit die Kursteilnehmer und gaben Tipps und Erklärungen.

Das gab den Teilnehmern ein sicheres Gefühl. Man muss aber sagen das 2 meiner 3 Mitteilnehmer einen Bundeswehrhintergrund ohne Kampfkunsterfahrung hatten. Es gab wenig Fragen. Die Übungen wurden variiert, Messer gegen Messer, Messer gegen „empty hand“, an verschiedenen Punkten im Raum, bzw. Ecken oder Wand im Rücken.

Ein wichtiger Punkt der praktisch und theoretisch behandelt wurde waren Selbstschutz und Tatortverhalten. Selbstschutz bezog sich auf das systematische Untersuchen des eigenen Körpers auf Wunden, nach einer Auseinandersetzung mit einem Kontrahenten mit Messer. Als nächstes ein Szenario einer bewaffneten Auseinandersetzung bei der ein Messer auf dem Boden vor einem vermeintlich bewusstlosen, also verletzten Mann lag. Die Vorgehensweise war logisch und wohl militärisch oder polizeilichen Ursprungs und ich hätte wohl anders gehandelt.

Die kriminaltechnisch korrekte Sicherung der Waffe hätte bei mir nicht oberste Priorität gehabt. Wundversorgung oder Erstversorgung war sehr interessant und lehrreich für mich. Mein Erste-Hilfe Kurs ist schon etliche Jahre alt und wie man einen Druckverband anlegt oder improvisiert, war ebenso interessant wie ein Körperteil abzubinden. So etwas halte ich generell für nützliches Wissen. Zusätzlich zur Notrufnummer. Abgerundet wurde das Seminar mit einer Sammlung von Photos mit durch Messer verletzten Menschen. Das waren schockierende Bilder für alles die so etwas noch nie gesehen haben. Da möchte ich nicht mehr nach einer Hand mit einem Messer darin greifen.

Das anschließende Nachgespräch verlief freundlich und sachlich, wie der gesamte Kurs.

Zusammenfassend kann ich sagen das das System einfach zu erlernen ist, es aber von vorne herein einräumt nur die Chance zu überleben verbessert. Wenn man kritisch und selbstkritisch durch die Welt geht, ist dieses System für Arme- oder Polizeieingreifkräfte bestimmt lehrreich und vielleicht auch hilfreich. Für Zivilisten bietet es ebenso wenig 100 prozentige Sicherheit bei einer bewaffneten Auseinandersetzung wie jedes andere System, das mir bekannt ist.

Die Knackpunkte sind die Reaktionszeit und damit verbunden eintretende Reflexprogramme, Instinkthandlungen, die durch die plötzlich veränderte Situation eingeleitet werden und die realistische Sicherheit das ein einziger Treffer deines Gegenüber deinen sicheren Tod einleiten kann. Ich bin nicht mit einem Sturmgewehr im Anschlag in der Adrenalin-Gefahrenzone auf Zombiejagd, wenn ich mit einer Waffe angegriffen werden sollte.

Wie (Sifu) Marcus (Schüssler) in seinem Seminar am 23.02.2013 über Abwehr von Messer- und Schusswaffen erarbeitete und wissenschaftlich und praktisch bewies, sind wir schnell gefangen in Reflexkurven und damit nicht frei handlungsfähig, egal wie lange wir trainieren.

Ich kann jedem als Fazit nur empfehlen sich von Situationen mit eventuell gefährlichem ungewissem Ausgang fern zu halten.

Sollte man trotzdem mal in eine solche gelangen sollte man sein Handeln auf sein eigenes überleben konzentrieren und nicht voreilig und unüberlegt handeln. Auch wenn man sich vorher mit solchen Situationen im Kopf beschäftigt und so vorbereitet scheint, sollte man nur „überleben!“ und nicht „Risiko!“ vor seinem inneren Auge sehen.