Altes Interview mit Jesse Glover – der erste Schüler und Assistant Instructor von Bruce Lee

Interview des alten Karate-Revue Magazins aus Deutschland ca. 1980 mit Jesse Glover

Was ist Bruce Lees Jeet Kune Do wirklich?

Bis auf eine Handvoll Techniken besteht Jesses Repertoire aus Wing Tsun-Kampfbewegungen. Ist es also doch noch Wing Tsun? Vielleicht eine Art modifiziertes Wing Tsun, ein besonderer Wing Tsun-Stil? Hier gehen die Auffassungen und Definitionen ausseinander. Jesse selbst glaubt, daß sich seine Methode sehr weit vom klassischen Wing Tsun entfernt habe, räumte aber ein, daß der größte Teil seiner Techniken aus dem Wing Tsun stamme. Andererseits war ihm das klassische Wing Tsun nicht bekannt. Erst sein Freund war in der Lage ihm zu bestätigen, daß seines Erachtens die Techniken zwar teilweise nach persönlichen Kriterien verändert waren, aber durchaus noch Wing Tsun genannt werden könnten. Zu den Wing Tsun Techniken hinzugekommen sind im Wesentlichen: ein Faustrückenschlag aus dem Gottesanbeter-Stil, ein Fauststoß und zwei Tritte aus dem Choy Li Fat und anderen Stilen, sowie ein extrem starker Fauststoß mit Schritt, der eine Kombination dem Wing Tsun-Stoß und Jack Dempseys Boxtechnik darstellt. Wing Tsun genießt den Ruf, ein sehr praktisches Kampfsystem zu sein, das auf alles überflüssige, auf alle Schnörkel verzichtet. Bruce Lee ist offensichtlich noch einen Schritt weiter gegangen, er hat die Wing Tsun-Techniken nochmals gesiebt und nur das knappe Dutzend Techniken übernommen, das sich in einem Minimum an Zeit erlernen und mit Erfolg anwenden läßt. Diese Wing Tsun- Techniken hat er zur Basis seines Jeet Kune Do gemacht. Daß bei dieser Spezialisierung auf höchste Funktionalität natürlich Begriffe wie Kunst, Tradition, Philosophie des Gung Fu auf der Strecke bleiben mußten, werden einige als Vorteil, andere als Nachteil ansehen. Aber um diese Dinge geht es offensichtlich nicht. Jesses Hauptanliegen ist ausschließlich die absolute Wirksamkeit im Kampf. "Ali war der beste Boxer der Welt, obwohl er nie asiatische Philosophie usw. in sein Training einbezog", sagte er mehrfach.

Wir interviewten Jesse Glover für die Leser der Karate-Revue.

Karate Revue.: Wie lange haben Sie mit Bruce Lee trainiert ?

Jesse Glover: Ca . 4-5 Jahre. Wir waren Schulkameraden und wohnten nur wenige Straßen voneinander entfernt in Seattle. Bruce Lee war ein Fanatiker, wir haben täglich stundenlang trainiert, oft bis bis acht Stunden jeden Tag. Wir übten auf dem Weg zur Schule, in den Pausen, auf dem Nachhauseweg, nachmittags, abends und nachts. Bruce konnte keine Minute untätig sein, stets trainierte er seinen Griff mit Bällen, die er zusammendrücke, härtete seine Hände oder übte seine Muskeln isometrisch.

KR: Wie hat Bruce Lee trainiert? Welche Techniken bevorzugte er?

JG: Bruce pflegte bei jedem Training die Siu Lim Tau aus dem Wing Tsun Gung Fu-Stil 50 mal zu üben, dann 500-1000 Kettenfauststößen, Angriffsschritte mit Faust und Fingerstößen, Kombinationen von Hand und Fuß. Seine Holzpuppe diente ihm als Trainingspartner, wenn ich nicht zur Hand war. 80 % von Bruce Lees Techniken kamen von seinem bevorzugten Gung Fu-Stil, dem Wing Tsun, das er in Yip Mans Schule erlernte. Den Rest entnahm er aus anderen Kampfstilen.

KR: Praktizierte Bruce Lee auch die hohen Tritte Sprünge und Schreie , die wir aus seinem Filmen kennen ?

JG: Nein, die haben wir nie bei ihm gesehen. Er verbot uns sogar hohe Tritte im Kampf anzuwenden, da man dabei selbst in Gefahr geraten kann. Man steht auf einem Bein, die Genitalien und das Standbein sind den Tritten des Gegners ausgesetzt. Bei Herausforderungen sah ich Bruce ausschließlich Wing Tsun-Kettenfauststöße, Faustrückenschläge und sehr tiefe Tritte anwenden, zum Schienbein oder zum Knie. Nur einmal sah ich ihm zum Kopf treten, als sein Herausforderer von den Kettenfauststößen zu Boden gegangen war.

KR: Das klingt nicht sehr sportlich.

JG: Was wir machen, hat mit Sport wenig zu tun, bei uns geht es um reine Selbstverteidigung. Wir suchen den Kampf nicht und gehen jedem Streit aus dem Wege. Unsere Kampfmethode ist nur unser letztes Mittel, um uns zu schützen. Wir laufen nicht durch die Gegend und geben mit unseren Kenntnissen an. Viele meiner Schüler trainieren vielleicht schon seit vielen Jahren und niemand in ihrem Freundeskreis weiß, daß sie Gung Fu trainieren.

KR: Weshalb wollten Sie von Bruce Lee Gung Fu erlernen?

JG: Ich wollte kämpfen lernen, um machen zu können, was ich wollte, um durch jede Straße gehen zu können, um mich nicht fürchten zu müssen.

KR: Und was ist jetzt ihr Grund, um weiterzutrainieren? Wir nehmen doch an, daß sich ihr Motiv nach 20 Jahren Training verändert hat.

JG: Natürlich,die Ziele von damals sind anderen gewichen. Eigentlich trainiere ich auch gar nicht mehr. Zumindest nicht mehr in dem Maße wie früher. Ich habe nur noch zwei Schüler, wenn ich mit denen fertig bin, werde ich nicht weiter unterrichten.

KR: Haben Sie denn nicht die Absicht, in Deutschland Schulen zu eröffnen, Kurse durchzuführen? Weshalb sind sie dann nach Deutschland gekommen?

JG: Mein Freund hat mich und Dennis (Jesses Freund und Schüler) eingeladen weil er den Europäern zeigen wollte, was Bruce Lee wirklich machte. Ich habe einen normalen Beruf, ich bin Dachdecker, der mich hinreichend ernährt und mir Zeit für meine Interessen läßt. Es gibt auf der Welt noch manche Dinge, die nichts mit Kämpfen zu tun haben.

KR: Weshalb hat Bruce Lee in seinen Filmen Techniken vorgeführt, die er im Grunde für unwirksam hielt?

JG: Nun, Tritte und Sprünge sind keineswegs unwirksam. Wenn ein sehr schneller Spezialist sie jahrelang trainiert hat, kann er sicherlich damit Erfolg haben, aber Bruce ging es um die Methode, die es dem Durchschnittsmenschen ermöglicht sich sicher zu verteidigen. Ich kann es jedem beibringen, sich mit Fauststößen usw. zu verteidigen. Aber nur einer unter Tausend wird es lernen können, sich mit hohen Tritten und Sprüngen ebenso sicher verteidigen zu können. Bruce Lee war so schnell, daß er buchstäblich alles im Kampf machen konnte. Er konnte den Gegner treffen, ohne daß dieser eine Abwehrbewegung machen konnte. In all den Jahren konnte ich Bruce nicht einmal treffen, wenn er es nicht wollte. Aber Bruce war ein Ausnahmeathlet, er ist nur zu vergleichen mit dem besten Fechter der Welt, der seinen Gegner trifft, bevor dieser seine Waffe zur Abwehr heben kann. Weshalb Bruce spektakuläre Tritte und Sprünge in seinen Filmen gezeigt hat? Manchmal denke ich: aus Rache. Während bei uns in der Stadt die Karate-Lehrer Hunderte von Schülern hatten, konnte Bruce nie mehr als 30, 40 Schüler bekommen. Denn Bruce unterrichtete nur direkte, praktische Kampftechniken. Die Leute wollte aber hohe Sprünge, artistische Tritte, Zerschlagen von Brettern usw. In seinen Filmen hat Bruce ihnen all dies und noch mehr gegeben. Wenn er die Fans sehen würde, wie sie Drehsprünge üben und schrille Tierschreie ausstoßen, würde er sich wahrscheinlich köstlich amüsieren.

KR: Was halten Sie von den Büchern, die über Bruce Lee herausgebracht wurden?

JG: Die meisten Autoren schienen Bruce Lee nicht wirklich zu kennen, sie nahmen ein paar allgemein bekannte Tatsachen, einige allgemein zugängliche Fotos und bauten eine Geschichte darum. Aber wenig Richtiges wurde über Bruces Persönlichkeit gesagt. Sogar das Buch von seiner Witwe Linda enthält Unrichtigkeiten: Bruce Lee war niemals ein Freund des Karate-Mannes, den er in Seattle im Kampf besiegte, und als der Privatstunden wollte, lehnte Bruce ab. Ebenfalls stimmt es nicht, daß James Yimm Lee mit Bruce zusammen war, als Bruce zum ersten Mal nach Amerika kam. In Wirklichkeit traf Bruce James Lee erst 1962. Auch die Buchserie über "Bruce Lees Kampfstil", in der Bruce sogar mit Mito Uyehara als Autor angegeben ist, schadet Bruce mehr als daß sie seine wahren Techniken aufzeigt.

KR: Gerade was das letztgenannte Buch betrifft, werfen manche Leute Bruce Lee vor, ein Plagiator zu sein, das heißt in disem Falle von der Serie "Praktisches Karate" von Masatoshi Nakayama die Fotos einfach nachgestellt zu haben. Wir haben das überprüft, viele Sequenzen sind tatsächlich identisch.

JG: Bruce Lee hatte nie vor, diese nach seinem Tode aus seinem privaten Foto-Album veröffentlichten Fotos, in Buchform herauszubringen. Möglicherweise hat er wirklich Fotos nachgestellt, aber nur zum privaten Spaß. Fest steht, daß er kaum eine der gezeigten Techniken im Kampf verwandt hätte.

KR: Wie steht es mit Bruce Lees "Tao of Jeet Kune Do"?

JG: Das ist bestenfalls ein schlechter Scherz auf Kosten eines großen Kampfkünstlers. Es wäre besser gewesen, wenn man es nie herausgegeben hätte. Ich fürchte, daß die wertvollsten Notizen von Bruce nach seinem Tode von dem Herausgeber übersehen wurden. Das meiste davon sind nur Erinnerungshilfen, die nur für Bruce bestimmt waren. So hatte er interessante Techniken aus anderen Büchern (Boxen, Ringen, Jiu-Jitsu usw.) für sich abgezeichnet. Aber diese Notizen waren nie zur Veröffentlichung bestimmt.

Die Herausgeber haben sie einfach auf den Markt geworfen und sich damit sogar eine Plagiats-Klage eingehandelt. Vor allem aber haben sie Bruce einen schlechten Dienst erwiesen. Das Beste was man über dieses Buch sagen kann ist, daß es eine schlechte Interpretation von Bruces persönlichen Aufzeichnungen ist. Hätte Bruce selbst so ein Buch geschrieben, würde es kaum eine der gezeigten Techniken enthalten haben. Wenige der Techniken helfen dem Anfänger, ein gutes Fundament zu erhalten. Das einzige Buch, das Bruce selber schrieb und wirklich wollte, ist sein "Chinese Gung Fu - The Philosophical Art of Self-Defense", das er mit uns 1963 in Seattle machte.

KR: Was halten denn Sie persönlich von Leuten wie z.B. Bill Wallace?

JG: Er ist ein Spezialist, der auf seinem Gebiet Hervorragendes leistet. Er hat sich auf ein Bein, auf einen Tritt spezialisiert. Wir sind auf Handtechniken spezialisiert. Jeder soll das machen, was er will.

KR: Es gab mal Gerüchte, Bruce Lee sollte gegen Ali antreten...

JG: Davon weiß ich nichts, aber ich hätte meinen letzten Cent auf Bruce gesetzt. Er war ein Phänomen. Nie wieder habe ich jemanden gesehen, der so schnell war. Es gibt viele Leute in den Kampfkünsten, die schnell sind. Aber die meisten sind schwach, ob sie treffen oder nicht, macht wenig Unterschied. Aber Bruce hatte bei seiner Schnelligkeit die Kraft eines Weltranggewichthebers.

KR: Ja, aber manche sagen, er war sicher der beste Kämpfer seiner Zeit, aber nur in seiner Gewichtsklasse.

JG: Quatsch. Wer das sagt, hat nicht vor seinen Fäusten gestanden.

KR: Hat Bruce Lee jemals an Wettkämpfen teilgenommen?

JG: Nein, wenn man von der Boxmeisterschaft in Hong Kong absieht, die er mit reinen Wing Tsun Techniken gewann. Bruce wollte nie an Sportwettkämpfen teilnehmen, weil er sich dann dem Urteil eines Schiedsrichters hätte unterwerfen müssen. Mit Recht zweifelte Bruce aber daran, daß der kompetent genug sein würde, seine schnellen Angriffe überhaupt sicher zu erkennen. Damals gab es noch kein Vollkontakt und wenige wären verrückt genug gewesen, sich auf so etwas mit Bruce einzulassen.

KR: Wie stehen sie persönlich zum Vollkontakt ?

JG: Hier gilt ähnliches wie beim Boxen.Wer Gehirnschäden in Kauf nehmen will, soll es machen. Mit Sicherheit ist es nicht für jeden das Richtige. Wir betreiben eine Methode die von jedem praktizierbar ist, und zwar ohne zu großes Risiko. Natürlich sind Leute, die im Training treffen und getroffen werden auf den Ernstfall besser vorbereitet als solche, die sich in fünf Jahren Training nicht einmal berühren. Diese gehen häufig beim ersten richtigen Treffer schon vor Schreck K.O.

KR: Nach welchen Gesichtspunkten hat Bruce Lee seine Schüler ausgesucht?

JG: Eigentlich gar nicht selber, zumindest am Anfang nicht. Ich war sein erster Schüler überhaupt. Bruce war noch sehr schüchtern. So habe ich ihm die ersten Schüler vorgestellt: Ed Hart, Leroy Garcia, Taky Kimura. Und dann haben die nächsten Schüler wieder neue Interessenten vorgeschlagen. Aber eines kann man sagen, die meisten Schüler waren ausgesprochen kräftig und wogen an die 90 kg. Viele waren schon in den Kampfkünsten erfahren, hatten Judo, Boxen oder Karate oder andere Gung Fu-Stile betrieben.

KR: Wir haben gelesen, Sie waren ein Top-Judokämpfer, der sich einige Titel geholt hat. Hatten Sie eine Graduierung im Judo ?

JG: Das war in den frühen 60er Jahren. Ich hatte das Glück, zwei amerikanische Meister als Lehrer zu haben. Ich war damals 2. Dan, habe mich dann aber ganz auf Gung Fu geworfen, aber einige Judo-Techniken weiter verwandt.

KR: Sie waren Bruce Lees erster Schüler, sein erster Assistent und wie uns andere Bruce Lee-Schüler bestätigen, sein kampfstärkster Mann. Wie beurteilen Sie die weitere Entwicklung des Jeet Kune Do?

JG: Jeet Kune Do ist tot. Bruce war Jeet Kune Do. Jeet Kune Do (JKD) ist kein Stil, sondern die Bezeichnung für das, was Bruce gemacht hat. Jeet Kune Do ist mit ihm gestorben. Keiner seiner Schüler kann Jeet Kune Do, Bruce war uns allen soweit voraus. Keiner konnte mit ihm Schritt halten. Wir haben eine vage Vorstellung davon, wie weit Bruce vorgestoßen war, aber wir können es nicht nachvollziehen, denn wir sind nicht Bruce Lee. Deshalb nenne ich meine Methode auch nicht Jeet Kune Do, sondern einfach "Non-Classical Gung Fu". Andere Bruce Lee Schüler nennen es vielleicht Ving Tsun oder Wing Tsun, denn 80% aller Techniken stammen daher. Andere nennen es chinesisches Boxen. Viele seiner Schüler sind ganz davon abgegangen und praktizieren wieder das, was sie machten, bevor sie von Bruce lernten. Sie machen wieder Tai Chi, Eskrima, Kontakt-Karate, Hsing-I-Gung Fu u.a.

KR: Wie kann jemand so etwas tun ?

JG: Seine ersten Schüler trainierte Bruce sehr hart. Wir waren auch nicht so sehr seine Schüler, sondern vor allem seine Jugendfreunde, zu uns war er noch sehr offen, er erklärte alles und hatte keine Geheimnisse. Aber später erkannte Bruce die Gefahr, daß einer seiner körperlich stärkeren Schüler ihm überlegen werden könnte, wenn er technisch ein entsprechendes Niveau erreicht. Diese Furcht war allerdings unbegründet. Er begann mehr und mehr seine Techniken zu verschleiern, nicht mehr die Basis seiner Methode: die Wing Tsun-Techniken, das Chi Sau, dem er in Wirklichkeit größte Bedeutung beimaß. Er persönlich hatte dieses Fundament schon verlassen und seine Technik war zu einem ausgefeilten Endprodukt geworden. Diese Endprodukt unterrichtete er nun. Aber er zeigte den Schülern nicht mehr den beschwerlichen Weg zu dieser Spitzenleistung, die er in jahrelanger Arbeit erreichthatte: Täglich 50 mal Siu Lim Tau-Form, Chi Sau-Training, Krafttraining nach der Overload-Methode. Die Schüler, die nur letzte Phase von Bruces Entwicklung vor sich sahen, glaubten, sie könnten werden wie er, wenn sie nur die gleichen Techniken praktizieren. Aber sie hatten keine Chance, denn erstens fehlte ihnen das Fundament und zweitens verfügten sie nicht annähernd über Bruce angeborene und antrainierte Schnelligkeit. Zu diesem Zeitpunkt veränderte Bruce seinen Unterricht radikal, er führte das chinesische Schüler/Lehrer-Verhältnis ein, das Abstand bedeutet, aber schlimmer noch, er forderte die Schüler nicht mehr, die Hautabschürfungen und blauen Flecken wurden seltener, und er unterrichtete nicht mehr die praktischen, direkten Techniken, die er mit mir aber immer noch außerhalb der Klasse übte. Kurz, er unterrichtete Techniken, die spektakulärer waren, an deren absolute Wirksamkeit er aber selbst nicht glaubte, wie er mir privat stets versicherte : "Aber die Leute wollen das ja, also gebe ich es ihnen: Show statt Wirksamkeit!". Das war der Grund, weshalb ich nicht mehr am offiziellen Schulunterricht teilnahm. Mir ging es wie jemand, dem man die Wirkung einer Magnum gezeigt hat, und dann eineLuftpistole in die Hand drückt, mit der er zufrieden sein soll. Ich habe danach nur noch privat mit Bruce trainiert, dies war vielleicht mein Glück, denn er hatte auch später keine Bedenken, mir seine überlegungen mitzuteilen und seine neuen Techniken an mir auszuprobieren.

KR: Wir schließen daraus, daß Ihre Techniken nicht mit denen der anderen Bruce Lee-Schüler übereinstimmen?

JG: Ich würde sagen, was ich mache ist eher grundverschieden. Ich unterrichte, was ich gelernt habe, sehr direkte, starke aggressive Techniken, die einen Kampf sehr schnell entscheiden. Meine Methode hat nichts Hübsches, Spektakuläres.

KR: Was würden Sie jemand empfehlen, der Bruce Lee nacheifern will? Wo gibt es Jeet Kune Do-Unterricht oder wie immer man es nennen will?

JG: Wer das wirklich will, muß trainieren wie Bruce. Er sollte eine Wing Tsun-Schule aufsuchen und von Anfang bis Ende alles lernen, was es da zu lernen gibt. Nach Beendigung seiner Lehrzeit wird er wissen welche Techniken ihm besonders liegen, daß heißt, er wird sich natürlicherweise spezialisieren und seine Techniken auf seine persönlichen Bedürfnissen hin anpassen. Findet er noch dazu einen Lehrer, der nicht nur stur klassisches Wing Tsun vertritt, sondern ohne Scheuklappen nach links und rechts geguckt hat, kann dieser ihm sehr helfen. Er wird dann zu einem freien Stil gefunden haben, in dem er sich delbst ausdrücken kann. Daß dieser Prozeß Jahre dauert, versteht sich von selbst.

Jesse Glover verstarb am 27. Juni 2012. Er schrieb folgende Bücher:

Bruce Lee between Wing Chun and Jeet Kune Do
Bruce Lee's Non-Classical Gung Fu
Non-Classical Gung Fu